Gest
Substantiv, m, f:

Worttrennung:
Gest, kein Plural
Aussprache:
IPA [ɡɛst]
Bedeutungen:
[1] landschaftlich, besonders Norddeutschland veraltend, Südafrika (KwaZulu-Natal) selten: eine mit Hefepilzen durchsetzte Substanz, die verwendet wird als ein Gärprozess einleitendes Mittel bei der Herstellung bestimmter (alkoholischer) Getränke und als dem Teig beigegebener Stoff, der das Aufgehen/Treiben von Teig für bestimmte Backwaren bewirkt
Herkunft:
Einer Quelle zufolge handelt es sich um ein Erbwort aus dem mittelhochdeutschen gest ‚(gärender) Schaum‘ (vergleiche gleichbedeutend mittelniederdeutsches gest), welches eine Nebenform von jest (siehe »Gischt«) ist.; vergleiche auch schwedisch jäst (altschwedisch iaester), niederländisch gist, gest und englisch yeast, sanskrit yasati; aus germanisch *jas-, von indogermanisch jes-
Eine andere, ältere, Quelle hält das Wort für ein Verbalsubstantiv zu gären.
Bei dem Wort handelt es sich um einen erhaltenen norddeutschen Regionalismus, der in der norddeutschen Mundart der Lüneburger Heide in der Bedeutung ‚gepresste Hefe (Bierhefe) zum#zum (Deutsch)|zum Backen#Substantiv, n, Singularetantum|Backen‘ bezeugt ist sowie im Ostfriesischen, in der hamburgischen Mundart als auch in den schleswig-holsteinischen und mecklenburgischen Mundarten.
Synonyme:
[1] Deutschland, Schweiz, Westösterreich (Vorarlberg): Hefe
[1] Norddeutschland: Bärme
[1] Südostdeutschland, Österreich: Germ
[1] Südafrika (KwaZulu-Natal): Yeast
[1] veraltet und/oder noch landschaftlich: Berme, Gärm, Gäscht, Gäst, Gescht, Gischt, Gohre, Göhre, Jäscht, Jäst, Jest
Beispiele:
[1] „Nachdem man den trocknen Gest in ein wenig lauwarmer Milch und einem Löffelvoll feinem Zucker aufgelöst und das durchgesiebte, amerikanische oder sonstige Weizenmehl bester Sorte eine halbe Stunde durch und durch ein wenig erwärmt hat, schüttet man dasselbe in eine warm gemachte irdene Kumme, giebt die Eidotter, den lauwarmen Rahm oder gute Milch, den aufgelösten Gest, Zucker, Salz, nebst der ausgewaschenen, in Stücke gepflückten Butter dazu, mengt mit einem breiten Messer Alles gehörig durcheinander, nimmt dann einen Holzspaten oder hölzernen Löffel und schlägt damit den Teig so lange, bis dieser sich in die Höhe ziehen läßt und glatt vom Spaten und von der Kumme ablöst, was wohl zehn Minuten erfordert, worauf man unter und über den Teig in die Kumme ein wenig Mehl streut und ihn eine bis zwei Stunden an einem warmen Orte aufgehen läßt.“
[1] „Wurde der Pfannkuchen nur mit lauwarmem Wasser und Salz, ohne Milch, angerührt, so wurde Bärme (Gest) oder, wenn diese nicht zu erhalten war, etwas Sauerteig zugesetzt, und das Aufgehen dauerte länger.“
[1] „Die Gest (Hefe) – etwa 1–1½ Pfund – wurde beim Händler gekauft und in einem hölzernen Napf angesetzt.“
[1] „1 Pfd. Mehl und zwei Eßlöffel Gest vermische man mit einer Theetasse warmen Wassers, lasse es aufgehen, und knete es dann zu einem dicken Teig.“



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