Hirsch
Substantiv, m:

Worttrennung:
Hirsch, Plural 1: Hir·sche, Plural 2: Hir·schen
Aussprache:
IPA [hɪʁʃ]
Bedeutungen:
[1] Zoologie: meist in Wäldern lebende geweihtragende, wiederkäuende Tierfamilie der Paarhufer
[a] speziell das männliche Tier
[2] Zoologie: Kurzform von Rothirsch
[3] umgangssprachlich, berlinisch: Könner
[4] scherzhaft: betrogener Ehemann
[5] umgangssprachlich, scherzhaft: Schimpfwort, mit dem eine männliche Person bezeichnet wird
[6] scherzhaft: Zweirad (zum Beispiel Fahrrad, Moped, Motorrad)
[7] übertragen: Motorradfahrer
[8] überwiegend in Bayern: junger Mann
[9] veraltet: ein Rind, dessen Hörner steil aufwärts stehen
[10] Entomologie: die Käferart Cerambyx
[11] veraltet: Holz, das zum Instrumentenbau und für Drechselarbeiten geeignet ist
[12] ein Bierfass mit einem Fassungsvermögen von 100 oder 200 Litern
[13] veraltet: ausgelernter Schneidergeselle, der bei seinem Lehrmeister in Lohn und Brot stand, aber aus Platzmangel in einer anderen Werkstatt für diesen tätig war
[14] veraltet, Studentensprache des 19. Jahrhunderts, abwertend: Student, der nicht in einer Verbindung war
Herkunft:
[1] Hirsch geht auf das althochdeutsche hiruჳ oder hirჳ und das mittelhochdeutsche hirჳ oder hirჳe zurück. Verwandte Wörter sind das mittelniederdeutsche herte und harte, das mittelniederländische und niederländische hert, das altenglische heort und die ältere Form heorot, das englische hart, das altnordische hjǫrtr und das schwedische hjort. Für diese Wörter müssen das germanische *herut- und das indoeuropäische k̑erud- vorausgesetzt werden. Zugrunde liegt all dem die indoeuropäische Wurzel *k̑er(ə)- (das Oberste am Kopf, Horn), auf die auch andere Bezeichnungen gehörnter Tiere wie Hornisse oder Ren zurückgehen.
[4] Die Bedeutung entstand in Anlehnung an die Redewendung jemandem die Hörner aufsetzen.
[6, 7] Seit 1900 wurden verschiedene Zweiräder als Hirsch bezeichnet. Dies dürfte weniger mit ihrer Schnelligkeit zusammenhängen als vielmehr mit der gabelförmigen Lenkstange. Vom Fahrzeug wurde die Bezeichnung anschließend auch auf den Motorradfahrer übertragen.
[8] Auch diese Bedeutung entwickelte sich um das Jahr 1900. Sie entspricht der Verwendung von stag (Hirsch) für einen ledigen jungen Mann.
[14] Diese Bedeutung entwickelte sich dadurch, dass Hirschen mitunter eine gewisse Dummheit zugeschrieben wird. Für die einer Verbindung angehörenden Studenten waren die anderen als unklug und wenig gescheit einzustufen.
Synonyme:
[1] zoologisch: Geweihträger
[2] Rothirsch
[4] Hahnrei, Gehörnter
[7] Motorradfahrer
Gegenwörter:
[1a] Hinde, Hirschin, Hirschkuh
[3] Dilettant
[14] Verbindungsstudent
Beispiele:
[1] Des Authors Prologus. Sehr treffliche Zecher, und ihr meine kostbaren Venusseuchling, (denn euch und sonst niemandem sind meine Bücher zugeschrieben) Alcibiades, in dem Gespräch des Platon die Zech betitelt, sagt unter anderen Reden zum Lob seines Meisters Sokrates, welcher ohnstreitig der Weltweisen Kaiser und König war, daß er sey gleich den Silenen gewesen. Silenen waren vor diesem kleine Büchslein, wie wir sie heut in den Läden der Apotheker sehen, von außen bemalet mit allerlei lustigen, schnakischen Bildern, als sind Harpyen, Satyrn, gezäumte Gänslein, gehörnte Hasen, gesattelte Enten, fliegende Böck, Hirschen die an der Deichsel ziehen, und andre derley Schildereyen mehr, zur Kurzweil konterfeyet um einen Menschen zu lachen zu machen: wie denn des guten Bacchus Lehrmeister Silenus auch beschaffen war. (Rabelais in der Vorrede zu Gargantua und Pantagruel in der Übersetzung von Gottlob Regis (1791-1854) ↗)
[1] Es gingen drei Jäger wohl auf die Pirsch,
sie wollten erjagen den weißen Hirsch.
Sie legten sich unter den Tannenbaum,
da hatten die drei einen seltsamen Traum.
Der erste:
Mir hat geträumt, ich klopft auf dem Busch,
da rauschte der Hirsch heraus, husch husch!
Der zweite:
Und als er sprang mit der Hunde Geklaff,
Da brannt’e ich ihn auf das Fell, piff, paff!
Der dritte:
Und als ich den Hirsch an der Erde sah,
da stieß ich lustig ins Horn, trara!
So lagen sie da und sprachen, die drei,
da rannte der weiße Hirsch vorbei.
Und eh’ die Jäger ihn recht gesehn
so war er davon über Tiefen und Höhn.
Husch husch! piff, paff! trara!
Ludwig Uhland (1787-1862)
[1, 2] „Allein Niemand wußte etwas zu sagen und kein Mensch hatte Jemanden beobachtet, der dem Hirschen nachstellte.“
[1, 2] „Augenblicklich bezeichnete dieser es selbst als eine Mahnung seines Geschickes, folgte dem Hirschen in den Wald und hat sich niemals wieder unter Menschen begeben.“
[3] Dein Nachbar ist wirklich ein Hirsch!
[5] Zieh Leine, du Hirsch!
Redewendungen:
den weißen Hirsch jagen
Hirsch an der Börse
wo die Hirsche ihre Geweihe abwerfen
Übersetzungen: Substantiv, m, f, Nachname: Worttrennung:
Hirsch, Plural: Hirschs
Aussprache:
IPA [hɪʁʃ]
Bedeutungen:
[1] deutscher Familienname
Herkunft:
Es wird vermutet, dass der in ganz Deutschland vorkommende Nachname in den meisten Fällen auf Bezeichnungen von Häusern in der Stadt zurückgeht, da bis ins 18. Jahrhundert kaum Straßennamen oder Hausnummern existierten, so dass die Menschen sich Namen für ihre Häuser ausdachten und dort ein entsprechendes Symbol anbrachten. Die Bewohner wurden dann oft von den Nachbarn nach dem Zeichen ihres Hauses benannt oder nannten sich selbst danach.
Des Weiteren kann Hirsch in Verbindung mit dem Beruf des Jägers zu einem Nachnamen geworden sein oder er leitet sich davon ab, dass jemand „flink wie ein Hirsch“ war.
In jüdischen Familien entstand der Nachname wahrscheinlich in Anlehnung an das Alte Testament, in dem Jakob einen Vergleich zwischen seinen Söhnen Juda, Naftali und Benjamin und Löwe, Hirsch und Wolf anstellt.
Synonyme:
[1] Jelen
Beispiele:
[1] Der Hirsch aus dem Nachbarhaus hat schon wieder auf dem Balkon gegrillt.
[1] Die neuen Mieter, diese Hirschs, sind nicht sehr hilfsbereit.
[1] Die kleine Hirsch ist vielleicht ein Frechdachs!
[1] He, Hirsch, komm mal her!
Übersetzungen:


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