zocken
Verb:

Worttrennung:
zo·cken, Präteritum: zock·te, Partizip II: ge·zockt
Aussprache:
IPA [ˈt͡sɔkn̩], [ˈt͡sɔkŋ̩]
Bedeutungen:
[1] Glücksspiele machen; um Geld spielen
  • umgangssprachlich:
[2] riskante Börsengeschäfte betreiben
[3] übertragen: hartnäckig, kleinlich (um etwas) handeln, verhandeln
  • salopp:
[4] (vor allem bei Glücksspielen) risikofreudig agieren
  • Jargon (vor allem der Computerspieler):
[5] (ein Spiel, vor allem ein Computer- oder Konsolenspiel) spielen
  • landschaftlich:
[6] südhessisch: (ein Spiel, vor allem ein Kartenspiel) spielen
[7] schlesisch: für etwas den Gegenwert in Geld zahlen; (Geld oder dergleichen) als Gegenleistung geben
[8] Essen kindersprachlich: Fußball spielen
Herkunft:
Bei dem Wort handelt es sich um eine seit dem 19. Jahrhundert über das Rotwelsche (des 19. Jahrhunderts) bezeugte Entlehnung aus dem Westjiddischen (vergleiche niederländisch gokken), die um 1900 in die Berliner Verkehrssprache einging und von dort aus allmählich in die deutsche Umgangssprache gelangte.
Merkwürdigerweise kann Krauss aus der nordsiebenbürgischen Sprachinselmundart von Treppen, die wie alle isolierten Sprachgemeinschaften recht konservativ ist, »zocken« mit den Bedeutungen ‚rupfen‘, ‚schröpfen‘ und ‚einem viel Geld abnehmen‘ belegen. Ob beziehungsweise inwieweit dieses »zocken« hierher gehört oder eine eigenständige Form darstellt, bleibt vorerst dahingestellt.
Die westjiddischen Formen שׂחוֹקען‎ (YIVO: skhoken) → yi , צחוֹקען‎ (YIVO: tskhoken) → yi , חוֹקען‎ (YIVO: khoken) → yi und צוֹקען‎ (YIVO: tsoken) → yi entstammen wiederum dem biblisch- bis mittelhebräischen Verb שָׂחַק‎ (CHA: śāḥaḳ) → he , das im Ḳal ‚lachen; sich scherzend unterhalten; verlachen; zulächeln‘, im Piʿʿēl ‚froh sein#Hilfsverb|sein (bei Gesang und Reigen); scherzen, sein Spiel mit jemandem treiben/sein Spiel mit etwas treiben; Kurzweil treiben; spielen (von Kindern und Tieren); tanzen, spielen (nämlich vor Gott); kämpfen, fechten, Kampfspiele aufführen; heftig lachen; zum#zum (Deutsch)|zum Lachen, zur#zur (Deutsch)|zur Ausgelassenheit bringen‘ und im Hifʿīl ‚sich über jemanden lustig machen/sich über etwas lustig machen‘ bedeutet, sowie dessen biblisch-hebräische Nebenform צחק‎ (CHA: ṣḥḳ) → hescherzen, heiter sein#Hilfsverb|sein; lachen‘ und mittelhebräische סָחַק, סְחַק‎ (CHA: sāḥaḳ, sḥaḳ) → he ‚1. im Ḳal: lachen; spielen; 2. im Piʿʿēl: verlachen‘ (vergleiche neuhebräisch שִׂחֵק‎ (CHA: śiḥēḳ) → heim Ḳal: lachen; ausgelassen spielen; (ein#Artikel|ein Spiel, eine#Artikel|eine Rolle) spielen; scherzen, sich lustig machen, Späße treiben‘, צָחַק‎ (CHA: ṣāḥēḳ) → heim Ḳal: lachen‘). Alle Formen wiederum lassen sich etymologisch mit arabischem ضَحِكَ‎ (DMG: ḍaḥika) →ar ‚1. lachen; verlachen, auslachen; verspotten, verhöhnen; 2. zum#zum (Deutsch)|zum Lachen bringen; 3. scherzen, spaßen; 4. laut lachen, miteinander oder zusammen lachen; 5. sich belustigen‘ und altäthiopischem ሠሐቀ beziehungsweise ሥሕቀ ‚lachen; verspotten, verhöhnen; scherzen, spaßen; anlächeln‘ einerseits sowie, andererseits, mit den akkadischen Formen 𒍢𒀀𒄷 ‚lachen‘ und 𒊺𒄭𒄣, das womöglich ‚niesen‘ bedeutete, vergleichen.
Die 8. Bedeutung ist seit 1920 bezeugt.
Synonyme:
[5] umgangssprachlich: gamen; besonders norddeutsch: daddeln
[7] bezahlen
[7] umgangssprachlich: abdrücken, ausspucken, blechen, hinblättern, hinlegen, löhnen
[7] salopp: ablatzen, berappen, latzen
[8] umgangssprachlich: bolzen, kicken, knödeln, wetzen; scherzhaft: fußballern
[8] österreichisch salopp: ballestern
[8] schweizerisch: schutten/tschuten/tschutten
[8] sondersprachlich (Fußball-Jargon): der#Artikel|den Ball treten, das#Artikel|das Leder treten
Beispiele:
[1] „1996 kamen acht Millionen Touristen nach Macao, die Hälfte von ihnen zockt im Kasino.“
[1] „Draußen scheint die Sonne, und drinnen wird gezockt, soweit man bei Skat und Rommeé überhaupt von Zocken sprechen kann.“
[1] „Teurer zu stehen kam Petersmann seine zweite Leidenschaft, das Glücksspiel. Und er zockte reichlich.“
[1] „Im Augenblick sind vierzehn Kasinos 24 Stunden am Tag geöffnet, zu Lande oder auf dem Meer, in denen Spielergruppen - weitaus leiser, als man vermuten möchte - ohne Unterbrechung in fensterlosen Sälen unter gleißendem Neonlicht zocken.
[1] „Neulich bei Lotto: ‚Du zockst, obwohl Du mir 20 Euro schuldest?‘ ‚Hm. Gib mir noch 50; wenn ich gewinne, zahl ich alles zurück.‘ twitter.com/frafisch“
[2] Viele Investmentbanker zocken völlig risikolos, da ihre Institute im Notfall mit Steuergeldern gerettet werden.
[2] „Der zockt nämlich schon mal mit Optionsscheinen, spekuliert mit Warenterminkontrakten, Osteuropa-Fonds oder südafrikanischen Anleihen.“
[2] „Nach einer Schätzung der US-Investmentgesellschaft JP Morgan in Hongkong zockten Ende 2007 rund 150 Millionen Chinesen an der Börse.“
[3] „‚Aber der ganze Industriezweig krankt, weil die Bahn mit ihren Aufträgen zockt‘, sagte IG Metall-Beauftragter Philip Becker gestern in einem Gespräch mit der Berliner Morgenpost.“
[3] „Nach zehn Jahren als Finanzminister und zweiter Mann hinter Tony Blair war seine ganze politische Strategie von Anfang an darauf angelegt, diese eine Wahl um jeden Preis zu gewinnen. Um diesen großen Sieg muss er jetzt zocken. Sollte Gordon Brown vor dem 25. Oktober wählen lassen und verlieren, wäre er der am kürzesten amtierende britische Premierminister aller Zeiten.“
[4] „Da muss Theodor Köster leider passen. ‚Herr Jauch, ich zocke hier nicht und bedanke mich für die 500 000 Euro. Es war ein wunderschöner Abend.‘“
[4] „Gerade noch rechtzeitig und wohl befördert durch eine parteiinterne Intrige hat er [der britische Politiker Boris Johnson] offenbar erkannt, dass ab sofort nicht mehr gezockt wird und seine Partie zu Ende ist.“
[5] „Danach zockte sie diesen Vorteil über Stunden hinweg in einem fehlerlosen Endspiel nach Hause.“
[5] „Mittlerweile ist Doom schon wieder alt, ich habe mein Studium abgeschlossen und bin Rechtsreferendar am Landgericht, im Moment spiele ich viel Shen Mue, so ’n Detektiv-Adventure in Japan. Ich kann mich abends schön hinsetzen und sagen: Ich zock jetzt mal ’n paar Stunden.“
[5] „Unter dem Pavillon haben es sich drei Jungs gemütlich gemacht und zocken begeistert irgendein PC-Spiel.“
Übersetzungen:


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