Bonze
Substantiv, m:

Worttrennung:
Bon·ze, Plural: Bon·zen
Aussprache:
IPA [ˈbɔnt͡sə]
Bedeutungen:
[1] buddhistischer (lamaistischer) Mönch oder Priester in Ostasien, vor allem in China und Japan
[2] spöttisch bis abwertend: bigotter Geistlicher
[3] umgangssprachlich abwertend: reiche Person (die mit ihrem Reichtum protzt)
[4] umgangssprachlich abwertend: Person von hoher (gesellschaftlicher) Stellung
[5] umgangssprachlich abwertend: herrschsüchtiger Vorgesetzter; studentensprachlich, soldatensprachlich: Vorgesetzter allgemein (Lehrer, Rektor, Schulrat; Kommandeur)
[6] umgangssprachlich abwertend: dem Volk entfremdeter, einflussreicher, höherer Funktionär (einer Partei, Gewerkschaft oder dergleichen), der in arroganter, engstirniger, rücksichtsloser Weise die Vorteile seiner Stellung ausnutzt; (höherer) Beamter
Herkunft:
Der Ausdruck (anfangs auch als Bonse, Bontze, Bonzi, Bonzier und ähnlicher Formen) wurde Ende des 16. Jahrhunderts (um 1600) in der 1. Bedeutung über französisches bonze, englisches bonze und portugiesisches bonzo womöglich aus japanischem 凡僧 – beziehungsweise 坊主 – entlehnt, das seinerseits wiederum chinesisches 凡僧 in der eigentlichen Bedeutung ‚fremdländischer Mönch‘ wiedergibt. Ungeklärt bleibt, ob dieses Wort chinesischen Ursprungs oder aus einer Sprache Indiens entlehnt ist.
In späterem 18. Jahrhundert kommt bei Vertretern der Aufklärung (insbesondere bei Wieland) die 2. Bedeutung auf. Ausgehend von der geistigen und ideologischen Unbeweglichkeit dieses in der 2. Bedeutung beschriebenen Geistlichen wird der Ausdruck im 19. Jahrhundert aus dem religösen und kirchlichen Zusammenhang auf den des Staats- und Gesellschaftswesen verschoben. So wird er ab dieser Zeit allgemein und schlagwortartig in der 3. bis 5. Bedeutung abschätzig gebräuchlich. In der 6. Bedeutung tritt er vereinzelt schon im früheren 19. Jahrhundert (siehe 1. Beispiel der 6. Bedeutung), verstärkt jedoch erst seit dem Ende desselben Jahrhunderts als Spottwort im politischen Bereich, besonders in der Arbeiterbewegung, sowie in der Zeit des Nationalsozialismus für Marxisten und Kommunisten in Erscheinung.
Synonyme:
[4] Hochgestellter, Hochstehender
Gegenwörter:
[3–6] der kleine Mann
Beispiele:
[1] „Sie haben faſt eine Religion mit denen in China / haben jre Abgoͤtter / vnd deren Prieſter / welche ſie Bonſes nennen / vnd in groſſen Wuͤrden halten.“
[1] „In ihrem aͤußern Geſetz, das die Bonzen dem Volke predigen, tragen ſie die Geſchichte des Fo, und ſeiner Vergoͤtterung vor, erzaͤhlen, wie unzaͤhlige Mal er unter allerley Geſtalten, und Verwandlungen auf Erden wieder erſchienen ſey; […]“
[1] „Aus dem oberen Stockwerke kam ein Mann herabgeſtiegen, der gemütlich eine Cigarette ſchmauchte. ‚Wer iſt das?‘ fragte der Kapitän. ‚Der Ho-ſchang,‘ antwortete ich. ‚Ho-ſchang! Was iſt das?‘ ‚Der Prieſter und Wärter dieſer Pagode. Die Ausländer nennen ſie Bonzen, der Chineſe aber kennt dieses Wort gar nicht, ſondern sagt Ho-ſchang oder Sing.‘ Jetzt erblickte uns der Bonze und neigte grüßend ſeinen Papierfächer.“
[1] „Dafür gibt Mao den Bonzen, Nonnen, Mönchen und Missionaren eine besondere Chance.“
[1] „Heute existieren die beiden Religionen friedlich nebeneinander: man läßt sich zum Beispiel vom Schintopriester trauen und vom buddhistischen Bonzen begraben; so hat jeder etwas zu tun.“
[2] „Allein dieſe Anmerkung bekraͤftigte ihn nur in ſeinen Gedanken von der Methode, die er bey ſeinem neuen Schuͤler gebrauchen muͤſſe; und da er ſelbst von ſeinem Syſtem beſſer uͤberzeugt war, als irgend ein Bonze von der Kraft der Amulete, die er ſeinen dankbaren Glaͤubigen austheilt, ſo zweifelte er nicht, Agathon wuͤrde durch einen freymuͤthigen Vortrag beſſer zu gewinnen ſeyn, als durch die redneriſchen Kunſtgriffe, deren er ſich bey ſchwaͤchern Seelen mit gutem Erfolg zu bedienen pflegte.“
[2] „Kommt auch ihr, ihr ſehr verdaͤcht’gen Weiſen,
Deren Seufzer durch die Tempel ſchwaͤrmt,
Stolz prunktieret, und vielleicht den leiſen
Donner des Gewißens uͤberlermt,
 
Die ihr in das Eis der Bonzentraͤne
Eures Herzens geile Flammen mummt,
Fariſaͤer mit der Janus Miene!
Trettet naͤher — und verſtummt.“
[2] „In den Katholiſchen Laͤndern, ſo wie uͤberhaupt da wo die Moͤnche und Bonzen noch Beſchwoͤrungen treiben,[…]“
[3] „Wenn die reichen Bonzen oder die Filmstars aus Hollywood hier in London ins Claridges gehen, werden sie ruppig bedient, weil sie reich sind, während eine verarmte Aristokratin, die kaum noch das Geld für ihr Zimmer zusammenkratzen kann, mit ausgesuchter Höflichkeit behandelt wird: ‚Yes, Mylady.‘ ‚No, Mylady.‘“
[3] „Nicht alle Hauseigentümer sind reiche «Bonzen».“
[3] „Und jetzt strecken sie, wie man der alarmierten Pariser Presse entnehmen kann, auch noch die Hand nach dem Eiffelturm aus. Die Amerikaner natürlich. Nicht, dass da ein reicher Bonze wäre, der sagt, das Ding gefällt mir, das kaufe ich.“
[3] „McCain, der heute im Wahlkampf gegen das ‚eiserne Dreieck aus Geld, Lobby und Legislative‘ wettert, finanzierte auch seinen Wechsel in den Senat mit großzügigen Spenden lokaler Bonzen und genoss die Gastfreundschaft eines reichen Bankiers in dessen Feriendomizil auf den Bahamas – Gratisflug inklusive.“
[4] „Ärgerlich, wie die ‚Bonzen‘ (Volksausdruck für hochgestellte Herrschaften) über die ‚Kleinen‘ drüberfahren.“
[4] „Der Volksmund will, dass nur die Kleinen bestraft werden und dass die Bonzen ungeschoren davonkommen.“
[4] „Tourky geißelte – als einziger offen – die Unfähigkeit der Bonzen, das Nächstliegende zuwege zu bringen.“
[5] „Seinen unmittelbaren Vorgeſetzten nennt der Offizier heute ſeinen Brotherrn oder auch Bonzen.
[6] „Wie die Themis trägt ihre Weisheit eine Binde vor den Augen, aber nicht zu demſelben Zweck, denn ihre Vettern die ſie pouſſiren wollen kennen ſie inſtinctartig am Geruch! nein, den Handlungen, den Abſichten des Regenten verſchließen ſie jedes Sehorgan, verſagen ſie jede prüfende Gerechtigkeit! verderblich oder ſegensreich, allem wird derſelbe Widerſtand entgegengeſetzt, jeder Schritt ſtreitig gemacht, mit blödſinnigem Mißtrauen wie es dem Ununterrichteten ſcheinen muß, aber in der That mit wohlberechneter Politik! denn das iſt die Art, wie dieſe Bonzen und Pascha’s von ſo und ſo viel Gänſekielen ſich am Ruder halten.“
[6] „Wer aber hat die Bonzen zu Bonzen gemacht?“
[6] „Der Keller war groß und mußte einem Bonzen der Partei gehört haben; er war einigermaßen wasserdicht.“
[6] „Vor allem aber bin ich kein offizielles Tier, kein nationaler Würdenträger, kein Bonze, der, wenn er spricht, es mit dem Bewußtsein tut, Deutschland gegen das Ausland zu repräsentieren.“
[6] „Die Partei-Elite zweigt die Hilfe am eigenen Volk vorbei für sich selbst ab. In der Hauptstadt Pjöngjang schwelgt die Schickeria im Wohlstand: Immer mehr Bonzen fahren einen Mercedes.“
[6] „So wie die Machtelite ihre Morde als Suizid inszenierte, tat sie, wenn es um ihre eigenen Repräsentanten ging, auch das Umgekehrte, stellte die Suizide hoher Bonzen als Unfälle dar.“
[6] „Feindbilder - ob Osama bin Laden oder der Unbekannte Bonze - haben eine gesellschaftliche Funktion, die mit ihnen selbst meist gar nichts zu tun hat.“
Übersetzungen:


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