nackt
Adjektiv:

Worttrennung:
nackt, Komparativ: nack·ter, Superlativ: nack·tes·ten
Aussprache:
IPA [nakt]
Bedeutungen:
[1] keine Steigerung: keine Bekleidung oder sonstige Bedeckung tragend; nicht bekleidet, nicht bedeckt
[2] beim Menschen von normalerweise behaarten Körperstellen: keine (sonst oder normalerweise vorhandenen) Haare aufweisend
[3] von bestimmten (neugeborenen) Tieren: (noch) kein Haarkleid, Fell, Gefieder oder dergleichen aufweisend
[4] von einzelnen Pflanzen oder Pflanzenteilen: ohne Laub
[5] von Ähren, Früchten, Körnern: ohne Hülse, mit glatter Schale
[6] keinen (sonst vorhandenen) Pflanzenwuchs aufweisend
[7] keine (normalerweise vorhandene oder erwartete) schmückende Ausstattung, Möblierung, Verzierung, Beiwerk oder dergleichen aufweisend
[8] keine Bedeckung, Unterlage oder dergleichen aufweisend, nicht bedeckt
[9] nur attributiv: ganz offen, ganz offensichtlich, nicht verborgen, klar erkennbar; sachlich
[10] nichts (anderes) als, für sich allein
Herkunft:
Das Adjektiv nackt hat sich um 800 aus dem althochdeutschen nackot oder nachot über das mittelhochdeutsche nacketunbekleidet, bloß, ledig‘ entwickelt. Verwandte Formen sind zudem das gotische naqaþs, das englische naked und das altisländische nøkkviđr, die gemeinsam mit noch anderen Wörtern aus indogermanischen Sprachen (vergleiche altindisches नग्न ‚nackt‘, griechisches γυμνός – dies aus früherem νυμνός – ‚nackt‘ sowie lateinisches nudus ‚nackt‘) auf das indogermanische *nog- ‚nackt‘ zurückgehen. Die starken Abweichungen der einzelnen Formen erklären sich zum Teil daraus, dass das indogermanische Adjektiv schon früh tabuistisch entstellt worden ist.
Synonyme:
[1] bloß, entblößt, frei, unbedeckt, unbekleidet
[1] gehoben: adamitisch, enthüllt, entkleidet
[1] umgangssprachlich: ausgezogen, blank, ohne; schweizerisch: blutt; scherzhaft: barfuß bis zum Hals, entblättert, im Adamskostüm/im Evaskostüm, textilfrei
[1] scherzhaft: hüllenlos, wie Gott jemanden geschaffen hat
[1] veraltet: bar
[2–4, 6, 7] kahl
[4] unbelaubt
[6] unbewachsen
[7] nüchtern, schmucklos
[8] blank, bloß, unbedeckt
[9] bar, blank, rein; offenkundig, unverhüllt; nüchtern
[10] bloß
Gegenwörter:
[1] bedeckt, bekleidet
[1] umgangssprachlich: angezogen
[2] behaart
[3] bepelzt, beschuppt, gefiedert
Beispiele:
[1] „Indem sie das Begehrte immer wieder exponiert, den Busen im Sweater und den nackten Oberkörper des sportlichen Helden, stachelt sie bloß die unsublimierte Vorlust auf, die durch die Gewohnheit der Versagung längst zur masochistischen verstümmelt ist.“
[1] „Wie schön ist das, wenn man eine Hose hat, man geht nicht so mit nackten Beinen.“
[1] „Auf die Erde voller kaltem Wind
Kamt ihr alle als ein nacktes Kind.“
[1] „Ihre nackten Arme waren blaß.“
[1] „Rututumos Lendenschurz verfing sich in einer verkrüppelten Kerzenakazie, und einen Schritt später stand er nackt im Dämmerlicht.“
[1] „Wir standen stundenlang
und sahen
wie hinter den Stacheldrähten
auf der andern Seite der Rampe
Frauen auf die Lastwagen geprügelt wurden
Sie waren nackt und schrien
zu uns Männern hinüber“
[2] „Sein rasiertes Gesicht mit der hakenförmigen Nase, den gekniffenen Lippen und den übergroßen, kreisrunden und in Zelluloid gefaßten Brillengläsern zeichnete sich noch besonders dadurch aus, daß es über den Augen nackt, das heißt ohne Brauen war, und zeugte im ganzen von einer scharfen und bitteren Sinnesart, wie denn zum Beispiel mein Pate seinem Namen eine sonderbar hypochondrische Deutung zu geben pflegte.“
[3] „In der Regel werden acht kleine und nackte Jungtiere geboren.“
[4] „Die Kleinen spielten mit Fürsorgerinnen oder allein, die Großen gingen von Behörde zu Behörde, die sich hier in Außenstellen etabliert hatten, oder wanderten ernst debattierend hin und her auf geborstenen Betonwegen, an deren Rändern auch kahle Birken und nackte, tiefschwarze Erlen standen.“
[5] „Beim Hafer sind die drei- bis vierblütigen Ährchen gestielt, die Blüten zu einer Rispe vereinigt; die Körner der gewöhnlich angebauten Arten sind mit den Blütenspelzen verwachsen, während die Kelchspelzen die ‚Spreu‘ bilden; es gibt allerdings auch den sogenannten nackten Hafer, der aber bei uns nicht gebaut wird, weil er zu wenig ertragreich ist.“
[6] „Die zwischen den winterlich nackten Feldern und der grau betupften Heide aufblinkende helle Fläche war der Müggelsee, und an dem sich windenden Band der Spree, und weiter zur Oder, und immer weiter führte der Flug.“
[6] „An einigen Stellen war die Gegend völlig nackt, an anderen mit einzelnen Fichten und Birken bewachsen.“
[7] „Einige nackte Glühbirnen an der Decke verstärkten mit ihrem trüben Schein das Zwielicht.“
[8] „Eines Nachts wachte ich auf, und da sah ich Nina auf dem nackten Boden knien.“
[8] „Plötzlich mußte er nicht mehr auf der nackten Erde schlafen, sondern durfte sich im Schuppen ein Holzlager bauen, bekam Stroh daraufgeschüttet und eine eigene Decke.“
[9] „Dann ſtand ſie vor dem nackten Elend, vor dem Hunger — ſie und ihr Kind.“
[9] „Die Phänomene, die Mesmer vorweist, erscheinen mit nackter Vernunft nicht erklärbar.“
[9] Was Hubertus seinen Angestellten sagen musste, war nichts als die nackte Wahrheit über das Unternehmen.
[10] „Ich konnte alle verstehen, die erst gar nicht und dann nur zögernd den Arm gehoben hatten, es ging hier nicht um ein Kaffeekränzchen, es ging hier ganz einfach um die nackte Existenz.“
[10] „Borgmann schrie mir ins Ohr: Die sollen doch sehen, daß sie ihr nacktes Leben retten.“
[10] „Gerade die Verlage seien inzwischen nicht mehr in der Lage, ‚ein Publikum an sich zu binden‘, deshalb ‚stellen sie das Leben selbst auf die Bühne, und am liebsten das Leben in seiner nacktesten, fiesesten und obszönsten Form, am allerliebsten in irgendeiner Verbindung mit dem Nationalsozialismus‘.“
Redewendungen:
[1] einem nackten Mann in die Tasche greifen
[1] jemandem mit dem nackten Arsch ins Gesicht springen/jemandem mit dem nackten Hintern ins Gesicht springen
[1] man zeigt nicht mit nackten Fingern auf angezogene Leute!
[1] nackt unter Wölfen
[1] veraltend: mit nacktem Auge
Übersetzungen:


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