Kafir
Substantiv, m:

Worttrennung:
Ka·fir, Plural 1: Ka·firn, Plural 2: Kuf·far
Aussprache:
IPA [ˈkaːfɪʁ]
Bedeutungen:
[1] Islam; abwertend: (männliche) Person, die nicht an (den aus Sicht des muslimischen Sprechers einzigen, wahren und dergleichen) Gott und die diesem huldigenden islamischen Lehren glaubt und somit (aus muslimischer Sicht) die göttliche Wahrheit durch Irr- oder Unglaube in Frage stellt, leugnet und/oder verwischt
Herkunft:
Das Wort wurde aus dem arabischen کَافِر‎ (DMG: kāfir) →ar entlehnt, bei dem es sich ursprünglich um das Partizip Präsens Aktiv des Verbs كَفَرَ‎ (DMG: kafara) →arbedecken, verbergen; leugnen; ungläubig sein#Hilfsverb|sein, nicht (an#an (Deutsch)|an Gott) glauben; (Gott) fluchen, lästern; vom Glauben abfallen, ein#Artikel|ein Ungläubiger werden; (für eine#Artikel|eine Wohltat oder dergleichen) undankbar sein#Hilfsverb|sein; (jemanden) zum Ungläubigen machen, (jemanden) zum Unglauben verführen; (jemanden) der#Artikel|des Unglaubens anklagen; (jemanden) ungläubig machen; (jemand) ein#Artikel|einen Ungläubigen nennen, (jemanden) der#Artikel|des Unglaubens beschuldigen‘ handelt. Das substantivisch gebrauchte Partizip bezeichnete im Arabischen ursprünglich einen ‚Säer, Sämann‘ beziehungsweise einen ‚Bodenfräser‘, da dieser die Saat mit Erde bedeckt. Davon übertragen wurde das Wort unter anderem auch gebraucht im Sinne von ‚schwarzes Gewölk‘, da dieses bedeckt, was sich unter ihm befindet; ‚(stockfinstere) Nacht‘, da sie durch ihre Finsternis alles verbirgt; die ‚Finsternis‘ selbst, da sie verhüllt, was von ihr umgeben ist sowie, aus denselben Benennungsmotiven, ‚Meer, See#Substantiv, f|See‘. Sodann bezeichnete es einen ‚(an einem Ort) Verweilenden und sich Versteckenden‘ sowie einen ‚Bewaffneten‘ – wohl eigentlich: einen ‚mit#mit (Deutsch)|mit Waffen Bedeckten, Verhangenen‘. So soll, laut at-Tabarī, Muḥammad während seiner Abschiedswallfahrt gesagt haben:
لَا تَرْجِعُواْ بَعْدِي كُفَّارًا يَضْرِبُ بَعْضُكُمْ رِقَابَ بَعْضٍ‎ (DMG: lā tarǧiʿū baʿdī kuffārạn yaḍribu baʿḍukum riqāba baʿḍin) 
Im تاج العروس‎ (DMG: Tāǧ al-ʿArūs)  des Murtaḍạ̄ 'z-Zabīdī und im القاموس المحيط‎ (DMG: al-Qāmūs al-Muḥyaṭ)  des al-Fayrūzʾābādī wird der Ausspruch einerseits als Aufruf gegen einen Krieg untereinander interpretiert:
„Werdet, nach mir [das heißt: nach meinem Tod], nicht wieder Waffenträger, [die] sich untereinander die Köpfe abschlagen“
Andererseits wird er in denselben Werken und im تهذيب اللغة‎ (DMG: Tahḏīb al-Luġa)  des al-Azharī (Abū Manṣūr) auch interpretiert als:
„Werdet keine Ungläubigen, nach mir,[…]“ im Sinne von „Nennt die Menschen nicht Ungläubige und werdet so selbst Ungläubige“
Folglich erhielt das Wort die Bedeutungen ‚jemand, der (die Huld oder Wohltaten Gottes) leugnet oder aberkennt‘, ein ‚(Gott gegenüber) Undankbarer‘ sowie ‚jemand, der die Einheit (Gottes) und das prophetische Amt (Muhammads und weiterer) sowie das Gesetz Gottes leugnet oder aberkennt‘ und bezeichnet, gemäß der üblichen traditionsgebundenen Akzeptation, letztlich einen ‚Ungläubigen‘.
So wird das Wort heute vor allem als ‚Hypokrit‘ sowie ‚Ungläubiger; Gottloser‘ verstanden, unter welchem alle im Koran genannten Götzendiener subsumiert werden. Ferner kann es auch ‚[jemanden, d]er zu einer andern Religion übergegangen ist‘ bezeichnen.
Synonyme:
[1] Nichtmoslem/Nichtmuslim
Gegenwörter:
[1] Mu’min
[1] Muslim
Beispiele:
[1] „Es gibt orthodoxe Muslime die nicht wollen, dass Kafirn, Ungläubige, in ihrer Mitte leben.“
[1] „Diese Regionen stehen nachgerade emblematisch für das, was manche als ‚clash‘ interpretieren: das Aufeinanderprallen des aggressiv-offensiven Westens – ‚der Kreuzfahrer‘ – mit dem Dschihadismus, der seinerseits unterschiedslos allen Kuffar (Ungläubigen) den Krieg erklärt hat.“
[1] „Sie nannte sich ‚fisabilillah‘, wenn sie im Netz unterwegs war. ‚Auf dem Weg Gottes‘, so die Übersetzung, wähnte sich Filiz G., während sie auf Internetforen zum Dschihad, dem heiligen Krieg gegen die ‚dreckigen Kuffar‘, die Ungläubigen, aufrief.“
[1] „Da gibt es keine Toleranz, denn alle Menschen, die nicht Moslems sind, sind Kuffar (Lebensunwürdige), die getötet werden müssen.“
[1] „Manchmal kämpften wir auch gegen Einheiten der Freien Syrischen Armee (FSA), die von unseren Führern als Kafirn, als Ungläubige, bezeichnet wurden, weil sie vom Westen infiltriert seien und Demokratie wollten.“
[1] „Das islamische Recht unterscheidet zwischen verschiedenen Arten von Kuffar.
[1] „Sprachen die Marxisten beispielsweise vom Klassenfeind, sprechen die Salafisten von den Kuffar, den Ungläubigen, gegen die es anzukämpfen gelte.“
[1] „Auch wenn die Salafisten nicht dazu aufrufen, sich zu bewaffnen, so unterteilen sie doch die Gesellschaft in Gläubige und Ungläubige. Ein Kafir aber, also ein Ungläubiger, ist laut dem Koran ein Gottesleugner und muss mit dem Tod bestraft werden.“
[1] „Wer kein orthodoxer Sunnit ist oder gar westlichen Freiheiten anhängt, gilt ihnen als «Kafir» (Plural: Kuffar), als jemand, der Allahs Wahrheit verdeckt.“
[1] „Die Jesiden sind für den IS Ungläubige, sie werden als »Kuffar« bezeichnet.“
Übersetzungen:


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