Haus
Substantiv, n:

Worttrennung:
Haus, Plural: Häu·ser
Aussprache:
IPA [haʊ̯s]
Bedeutungen:
[1] zu einem bestimmten Zweck erbautes Gebäude
[2] zum Wohnen dienendes und genutztes Gebäude
[3] aus mehreren Räumen bestehender, abgetrennter Bereich innerhalb eines unter [2] beschriebenen Gebäudes, in dem sich eine oder mehrere Personen ständig aufhalten können, leben
[4] umgangssprachlich: Gesamtheit der Bewohner in dem unter [2] beschriebenen Gebäude
[5] Gesamtheit der Personen, die sich in einem bestimmten Amt, in einer bestimmten Stellung oder Tätigkeit in einem unter [1] beschriebenen Gebäude aufhalten oder dort einer Beschäftigung nachgehen
[6] gesetzgebende Körperschaft der Volksvertretung
[7] gehoben: im selben unter [2] beschriebenen Gebäude/im selben unter [3] beschriebenen Bereich lebende Gemeinschaft aus einem Elternpaar oder einem Elternteil samt mindestens einem Kind
[8] Hauswesen der unter [7] beschriebenen Gemeinschaft
[9] eine Reihe von adligen (angesehenen) Persönlichkeiten, Herrschern hervorgebrachtes Geschlecht
[10] umgangssprachlich, scherzhaft: Mensch, Person
[11] umgangssprachlich, veraltet, fachsprachlich, Zoologie: bestimmte Tiere (vor allem Weichtiere wie Gastropoden) umgebende feste, panzerartige, schützende Umhüllung
[12] Astrologie, fachsprachlich: Tierkreiszeichen in seiner Zuordnung zu einem Planeten
[13] Astrologie, fachsprachlich: einer der zwölf Abschnitte, in die der Tierkreis eingeteilt ist
[14] Handwerk, fachsprachlich: mittlerer Teil eines Hammerkopfes
[15] Curling, fachsprachlich: die drei konzentrischen Kreise, in denen Punkte erzielt werden können, die vom Kreis mit dem Radius von 6′ umschlossene Fläche
Herkunft:
Bei dem Wort handelt es sich um ein seit dem 8. Jahrhundert bezeugtes Erbwort, dessen althochdeutsche Form hūs lautete und sowohl das ‚Gebäude‘, als auch die ‚Familie‘, das ‚Hauswesen‘ und das ‚Geschlecht‘ bezeichnete. Die entsprechende mittelhochdeutsche Form lautete ebenfalls hūs, bezeichnete jedoch neben ‚Gebäude‘, ‚Familie‘ und ‚Geschlecht‘ auch noch ‚Wohnung‘, ‚Hütte‘, ‚Schloss‘, ‚Rathaus‘ sowie ‚Haushaltung‘ (vergleiche mittelniederdeutsch hūs, mittelniederländisch huus). Alle genannten Formen entstammen der (nicht belegten aber erschlossenen) germanischen Form *hūsa- n, der die Bedeutung ‚Haus‘ beigemessen wird. Der gleichen Quelle sollen auch gotisches -hūs, das nur in Gotteshaus, Tempel‘ bezeugt ist – da ‚Haus‘ im Gotischen sonst als bezeichnet wird, sowie altnordisches hūs, altsächsisches hūs, altenglisches húshouse; family‘ und altfriesisches hūs entstammen. Die weitere Herkunft ist unklar: Einerseits wird eine Verwandtschaft mit »Hütte« angenommen, so dass *hūsa- wohl mit Dentalschwund und Ersatzdehnung auf *hud-s-a- zurückgeht. Außerdem sei ein Zusammenhang mit altgriechischem κεῦθος nVersteck, Höhle, Tiefe‘ und seiner Verwandtschaft denkbar, aber nicht naheliegend. Andererseits wird im Sinne von ‚Bedeckendes‘ ein Anschluss an die (nicht belegte aber erschlossene) indoeuropäische Wurzel *(s)keus- angenommen (wozu auch »Hose« und »Hort« gehören), bei der es sich ihrerseits um eine s-Erweiterung der weitverbreiteten (erschlossenen) indoeuropäischen Wurzelformen *(s)keu-, *(s)keu̯ə-, *(s)kū-bedecken, umhüllen‘ (siehe »Haut«, »Hode«, »Hütte«, »Scheune«, »Schuh«) handeln solle.
Synonyme:
[1, 2] umgangssprachlich: Winde
[1, 2] salopp, abwertend: Affenkasten, Kasten
[2] Wohnhaus, Wohngebäude
[3] Heim, Wohnung, Zuhause
[2, 3] umgangssprachlich: Tempel
[6] Kammer
[7] Familie
[7] umgangssprachlich: Gepäck
[7] salopp, abwertend: Mischpoke
[8] Haushalt
[8] gehoben: Hausstand
[12] ''Astrologie: Domizil
Gegenwörter:
[14] Auge, Bahn, Finne/Pinne/Schmalbahn
Beispiele:
[1] „‚Wir dürften in München die größte Auswahl haben‘, sind sie überzeugt und auch davon, dass ihr Haus besten Service bietet.“
[1] „Was macht denn so ein IOC-Mitglied? Es besucht kandidierende Möchtegern-Olympiastädte. Kostenloses Reisen, Beherbergung in den nobelsten Häusern, festliche Anlässe, piekfeine Verpflegung, Geschenke (keine Bestechung versteht sich) entgegennehmen und schlussendlich eine fast unkündbare Anstellung auf Lebzeiten geniessen… Keine Frage, wer es in dieses Gremium schafft, hat ausgesorgt.“
[1] „Bei Bedarf bekommen sie eine Brille angepasst - auf Kosten des Hauses.
[1] „Wer noch mehr Anwendungen will, dem stehen zusätzliche Kuren, Massagen und Spezialitäten des Hauses zur Auswahl.“
[1] „»[…] Ich bedauere, er ist zurzeit nicht im Haus, und ich kann Ihnen leider nicht sagen, wann er wieder zurück sein wird.« »Das verstehe ich nicht. Sie wissen nicht, wo Ihr Chef ist und wann er wieder im Büro sein wird?«“
[1, 2] Das Haus steht seit 1898.
[2] „Für Wochen schloss er sich in seinem Zimmer ein und wagte kaum einen Schritt vors Haus.
[2] „Der Neu-Multimillionär will seinen Job behalten, aber mit der Familie (Frau, 2 Kinder) aus der kleinen Mietwohnung in ein Haus im Grünen umziehen.“
[2, 3] Mein Haus wird gerade renoviert.
[3] Kommst du mit nach Hause?
[3] „Das ganze Haus war auf den Kopf gestellt, die Betten ungemacht, auf dem Tisch stand eine halbgegessene Mahlzeit.“
[3] „Ich sagte nadelspitz: »Siehst du, das hast du nun davon: ich komme nicht mit nach Haus …«“
[3] „Das Haus ist vollständig eingerichtet, im Wohnzimmer gibt es diesen riesig großen Schreibtisch aus dunkelbraunem Holz mit einer grünen Ledereinlage auf der Oberfläche.“
[3] „Nie kommst du nach Hause, wir wissen nicht mehr weiter.“
[4] „Unser Haus versammelte sich im Betsale.“
[5] Er ist durchaus in der Lage, ein großes Haus zu leiten.
[5] „Befürchtete etwa Thomas Mann, daß der Schwiegersohn und Nachfolger Samuel Fischers, der seit 1928 als Geschäftsführer des berühmten Verlages tätige Gottfried Bermann Fischer ihn, den in den Jahren der Emigration (und natürlich auch später) prominentesten Autor des Hauses schlechterdings übervorteilen wollte? Aber sicher.“
[5] „Angeblich wurde sie vom Geheimdienst MIT geführt, beteiligt waren nach Angaben des türkischen Außenministers Mevlüt auch sein Haus sowie die türkische Armee.“
[6] „Binnen weniger Stunden entschärften beide Häuser des Parlaments einen umstrittenen Artikel und stärkten so die Demokratie.“
[7] Dies ist ein ehrenwertes Haus.
[7] Sie kam aus gutem Hause.
[7] „[…] Joshua Wong kommt aus konservativem Haus, seine Eltern sind fromme Christen.“
[7] „Ein höherer Kanzleibeamter des Hauses Hochstätter tritt ein, eine würdige Erscheinung, der Zuverlässigkeit mit Gewandtheit verbindet. Er wendet sich zwar respektvoll, aber doch bestimmt an den Sohn des Hauses: Der Herr Vater läßt zur Unterschrift bitten, Herr Felix.“
[7] „»Den Gang einer Mutter« nannte sie etwas pathetisch ihren Besuch, der den Nebenzweck hatte, Ulrich wieder für ihr Haus zu gewinnen, nachdem er in der Parallelaktion, wie man hörte, so große Erfolge hatte.“
[8] „Als sie die schmale Kost verzehrt hatten, legten sie sich zu Bett: aber am Morgen trieb er sie schon ganz früh heraus, weil sie das Haus besorgen sollte.“
[8] „Sie brachte eine schöne Mitgift ins Haus und hinterließ ihrem Mann, kaum dass 1793 der einzige Sohn Karl August geboren war, bei ihrem frühen Tod Anno 1794 ein reiches Vermögen.“
[9] Man sieht es ihm nicht an, aber er kommt aus einem königlichen Haus.
[9] „Ist er wirklich der Prinz aus regierendem Hause, den ruchlose Verwandte in der Wildnis ausgesetzt haben?“
[10] „Eigentlich wollen sie nur zeigen, was für gelehrte, gescheite Häuser, für geistreiche Köpfe, für enorme Könner sie sind.“
[10] „Es war ein hochgelehrtes Haus, berühmt als Orgelspieler und stets etwas stutzerhaft gekleidet mit Cut und gestreifter Hose.“
[10] „Herr Müller-Andreä jedoch lebt, er ist sogar obenauf, ein flottes Haus, eine fidele Nummer.“
[10] „Sonst war der Koch ja ein patentes Haus.
[10] „Die ältere Tochter vom Hauptmann, sie war wohl fast dreißig, war ein lustiges Haus.
[10] „Sie, die sonst ein fideles Haus war, haderte mit allen Menschen, die es eigentlich gut mit ihr meinten.“
[11] Die Schnecke trägt ihr Haus mit sich.
[11] „Zur ersten Stufe gehörte die Kauri, Cypraea moneta; zur zweiten Stufe ein rund geschliffenes, durchbohrtes Muschelkügelchen; zur dritten Stufe zylinderförmiger Purpurwampum und das langgezogene Gehäuse des Cerithium muscarium, und zur vierten das ebenfalls gewundene Haus der Vivipara georgiana, einer Süßwasserschnecke, dazu kleine Hirschhornstücke, die halb rot halb grün gefärbt sind.“
[11] „Für die Beschäftigung Jonathan Leverkühns mit der Naturwissenschaft werden im Roman zwölf Beispiele gegeben: das Blaulicht auf den Falterflügeln mit der Frage, ob das Himmelblau Trug sei, der Glasflügler Haetera Esmeralda, der Blattschmetterling, der sich seiner Umgebung anpaßt und daher nicht sichtbar ist, der Schmetterling, der durch Schönheit und Ungenießbarkeit gekennzeichnet ist, die Nachahmung dessen durch einen weiteren Schmetterling, der den Betrachter täuscht, das Haus der Schnecken und Muscheln, die schöne, aber giftige Kegelschnecke, die Strich-Ornamentik auf den Schneckenhäusern, die sichtbare Musik, die Eisblumen, der fressende Tropfen und die toten Gewächse der Kristalle.“
[11] „Die Häuser der Meeresschnecken wurden bei wichtigen Zeremonien wie Fanfaren eingesetzt.“
[12] „ Es bestehen systematische Analogien zwischen Planeten, Zeichen, Häusern und Winkelbeziehungen: Jedes Haus ist beispielsweise einem Tierkreiszeichen zugeordnet.“
[13] Jedes der zwölf astrologischen Häuser entspricht einem bestimmten Bereich des alltäglichen Lebens, auf denen die Energie eines Planeten zum Ausdruck kommt.
[13] „Ausgehend vom Aszendenten und den zwei Hauptachsen, werden nun die zwölf astrologischen Häuser berechnet.“
[14] „Hammer mit verbreiterter, stumpfer Finne, hohem, unregelmäßig ausgewölbtem Haus und schlankem Hammerteil mit gestauchter Bahn.“
[14] „Der alte Nagelstock, an dem die Nägel nicht wie üblich mit dem Haus des Hammers eingeschlagen werden, sondern zur Erschwernis mit der Finne, also mit der schmalen Seite des Hammers, war bereits voll mit Nägeln.“
[15] „Pro Stein, der näher zur Mitte des Hauses liegt als der Stein des Gegners, gibt es einen Punkt.“
[15] „Während beim Curling in ein Haus gespielt wird, visiert der Eisstockschütze die so genannte Daube an, die aus Gummi besteht und deren Durchmesser knapp acht Zentimeter beträgt.“
[15] „Im Curling gilt es, den Stein ins Haus zu schieben – deshalb gelten erfolgreiche Curler als «häusliche Typen».“
[15] „Viertes End im Finale der 18. Internationalen Herb-Lackhoff-Trophy: Der letzte rote Stein von Skip Uwe Saile passt, bleibt wie berechnet im Haus liegen und bringt den Curling Club Mannheim gegenüber dem Team Solothurn I mit 4:3 in Führung.“
[15] „Da Curling immer abwechselnd von einer auf die andere Seite gespielt wird, gibt es pro Rink zwei Häuser.
Redewendungen:
[1] auf jemanden Häuser bauen können
[1] das europäische Haus/das gemeinsame Haus Europa
[1] Einfälle haben wie ein altes Haus
[1] erstes Haus am Platz/erstes Haus am Platze
[1] etwas auf den Tisch des Hauses legen
[1] Haus auf Rädern
[1] Haus der offenen Tür
[1] Haus des Herrn, Haus Gottes
[1] Häuser auf jemanden bauen
[1] euphemistisch: öffentliches Haus; umgangssprachlich: Haus der barmherzigen Schwestern, Haus der Bewegung, Haus der Freuden, Haus der roten Laterne, Haus der sieben Sünden
  • umgangssprachlich:
[1] bar auf den Tisch des Hauses
[1] ein Rausch wie ein Haus
[1] österreichisch: sich über die Häuser hauen
[1] um die Häuser ziehen
[1] Haus der fünfhundert Schlafzimmer
[1] Haus der tausend Betten
[1, 2] umgangssprachlich: Haus von der Stange
[1–3] umgangssprachlich seltener: Holz vor dem Haus haben
[2] Haus und Hof
  • umgangssprachlich:
[2] ins Haus stehen
[2] etwas steht auf dem kurzen Weg ins Haus/etwas steht übern kurzen Weg ins Haus
[2] Haus am Haken, Haus im Schlepp, rollendes Haus
[2, 3] jemanden das iverbieten
[2, 3] mit der Tür ins Haus fallen
  • umgangssprachlich:
[2, 3] alles aus dem Haus tragen
[2, 3] jemandem etwas (Brief) ins Haus flattern
[2, 3, 7, 8] Haus ohne Hüter
[3] aus dem Haus sein
[3] das Haus hüten
[3] fachsprachlich, Kaufmannssprache: frei Haus
[3] für jemanden zu Haus sein/für jemanden zu Hause sein
[3] komm du nur nach Haus!/komm du nur nach Hause!
[3] mein Haus, meine Welt!
[3] noch zu Haus sein/noch zu Hause sein/noch zu Haus wohnen/noch zu Hause wohnen
[3] sich zu Haus fühlen/sich zu Hause fühlen/sich wie zu Haus fühlen/sich wie zu Hause fühlen
  • umgangssprachlich:
[3] auf etwas (einem bestimmten Gebiet) zu Hause sein/in etwas (einem bestimmten Fach) zu Hause sein
[3] da werden nachts die Häuser reingeholt/da werden nachts die Häuser durchs Fenster reingeholt
[3] etwas zu Hause lassen
[3] etwas nach Haus schicken/etwas nach Hause schicken
[3] jemandem das Haus einlaufen/jemandem das Haus einrennen
[3] jemanden ins Haus geplatzt kommen/jemandem ins Haus platzen/jemandem ins Haus geschneit kommen/jemandem ins Haus schneien; umgangssprachlich: jemandem ins Haus fallen
[3] jemandem nach Hause leuchten
[3] mit etwas zu Hause bleiben
[3] nie zu Hause sein
[3] Postkarte genügt, komme ins i!
[3] wenn er hinfällt, ist er zu Haus/wenn er zweimal hinfällt, ist er zu Haus
[3] einen nach Hause bringen
[3] kein Haus ohne Maus
[7] der Herr im Haus sein/der Herr im Hause sein
[7] in den ersten Häusern verkehren/in den ersten Häusern der Stadt verkehren
[7] von Haus aus/von Hause aus
[8] gehoben: das Haus bestellen/sein Haus bestellen
[8] ein großes Haus führen/ein offenes Haus führen
[8] veraltet: ein (großes) Haus machen
[8] Haus und Herd
[8] Haus halten
[10] familiär: altes Haus
  • umgangssprachlich:
[10] bemoostes Haus
[10] fesches Haus
[10] zünftiges Haus
[*] umgangssprachlich: Fall Haus
Übersetzungen:


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