anstecken
Verb:

Worttrennung:
an·ste·cken, Präteritum: steck·te an, Partizip II: an·ge·steckt
Aussprache:
IPA [ˈanˌʃtɛkn̩], [ˈanˌʃtɛkŋ̩]
Bedeutungen:
[1] transitiv: etwas mit einer Nadel oder dergleichen befestigen; auf/an etwas stecken
[2] transitiv; speziell: einen Ring oder dergleichen auf den Finger ziehen
[3] transitiv; landschaftlich: den Stecker eines elektrischen Geräts oder dergleichen in die (für ihn vorgesehene) Buchse, Steckdose oder dergleichen stecken
[4] transitiv; landschaftlich, besonders nordostddeutsch, mittelostdeutsch, süddeutsch selten: (ein mit einer Flüssigkeit gefülltes Behältnis) durch Anstich öffnen
[5] transitiv; landschaftlich, besonders norddeutsch, mitteldeutsch: zum Brennen bringen; in zerstörerischer Absicht einen Brand verursachen
[6] transitiv: sein#Possessivpronomen|seine eigenen Krankheitserreger auf jemanden übertragen, sodass der- oder diejenige ebenfalls erkrankt; die eigene Krankheit an jemanden weitergeben
[7] reflexiv: von Krankheitserregern (durch den Kontakt mit einer kranken Person) befallen werden und dadurch ebenfalls erkranken
[8] transitiv; übertragen: bei jemandem ähnliche Reaktionen auslösen; leicht auf jemanden überwechseln
Herkunft:
  • strukturell:
Ableitung eines Partikelverbs zum Verb stecken mit der Partikel (Derivatem) an#Deutsch|an
Es handelt sich um ein Erbwort, das auf die seit dem 11. Jahrhundert bezeugte althochdeutsche Form anasteckōn zurückgeht, deren mittelhochdeutsche anesteckenanzünden; ein#Artikel|ein Fass öffnen‘, eigentlich aber wohl ‚Feuer daran stecken‘ lautete (vergleiche mittelniederdeutsches ansticken). Seit dem 16. Jahrhundert ist es in den bildlichen Bedeutungen ‚(Krankheiten) zündstoffartig mitteilen‘, ‚eine#Artikel|eine Krankheit übertragen‘, ‚(sich) infizieren‘ belegt.
Synonyme:
[2] aufstecken
[3] einstöpseln
[4] anschlagen, anstechen, anzapfen
[5] anbrennen, anfachen, anzünden; in Brand setzen/in Brand stecken
[5] gehoben: entfachen, entzünden
[5] umgangssprachlich: anmachen
[5] süddeutsch, sonst veraltet: zünden
[6] infizieren
[7] bekommen, davontragen, sich zuziehen
[7] umgangssprachlich: sich einfangen/schweizerisch: einfangen, sich einhandeln, sich holen, kriegen
[7] fachsprachlich (Medizin): sich infizieren
Gegenwörter:
[1, 3] abstecken
Beispiele:
[1] Meine Oma hat sich sonntags immer eine Brosche angesteckt.
[1] „Ein kleines Abzeichen der Feuerwehr, das er eigentlich zu Unrecht behalten hat, nimmt er mit, um es außerhalb des Dorfes anzustecken, im Dorf selbst fürchtet er, es zu zeigen, obwohl es so klein ist, daß man es auf zwei Schritte Entfernung kaum sieht, aber nach des Vaters Meinung soll es sogar geeignet sein, die vorüberfahrenden Beamten auf ihn aufmerksam zu machen.“
[1] „Sie schlug Ede allen Ernstes vor, er solle sich auch so einen Bonbon [= Parteiabzeichen] anstecken, damit er die übrigen Taxen behalten dürfe.“
[1] „Zur Anprobe nur den Unterkragen anheften, ihn dazu von der Rückenmitte aus anstecken.
[2] „Mir war es, als wenn alle Leute nach mir ſähen; und den Verlobungsring vollends wagte ich nicht anzuſtecken, um, wie ich meinte, auf der Straße nicht aufzufallen.“
[2] „Der Angeklagte steckte ihn dem Ringfinger an, benutzte abermals sein Taschentüchlein als Verpackungsmaterial und forderte mich auf, seinen Weg zu begleiten.“
[2] „Während des Essens trat auch mein Vater herzu und gratulierte uns und übergab mir einen schönen Ring, daß ich ihn meinem Bräutigam anstecke.
[3] „Ich rasierte mich, da ich in der Morgenhetze nicht dazu gekommen war. Ich steckte meinen Apparat an, denselben wie gestern, und er ging.“
[3] „Die unterwegs gemachten Aufzeichnungen fließen in ein Textverarbeitungsprogramm, die Telephonnummern in eine Datenbank, eine Notiz läßt sich mit einem bevorstehenden Arbeitstreffen verknüpfen, die Memos in eine schön strukturierte To-do-Liste einbinden; und mühelos flitzen die Zeichen hin und her zwischen dem winzigen Handheld-Computer und meinem Büro-Mac. Ein Kabel angesteckt, einen Knopf gedrückt, fertig.“
[3] „Alle zu verbindenden Rechner und Geräte erhalten einen Adapter, der an der Ethernet- oder USB-Dose angesteckt wird.
[3] „Bei Außensteckdosen sollte die Stromzufuhr unterbunden werden, damit Täter keine Geräte, die als Einbruchswerkzeug dienen, anstecken können.“
[3] „Ein Kind darf den Stecker für die mehrere hundert Meter lange Lichterkette anstecken, die heuer erstmals auf dem hundertjährigen Kastanienbaum angebracht wurde.“
[4] „Frau Henſchel. Nee, luß Du ock Vatern wu a is.
Das wär wull gar! Dar de itzt keene Gedanka uf
Wertshaus-laufa.
Franziska. Heut iſt aber ganz friſch angeſteckt.
[4] „Ziemlich feucht wurde es, als der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz am Sonnabend das erste Fass Freibier - es war übrigens von der Liesker Brauerei ansteckte.
[5] Die Kinder haben Streichhölzer mit rausgenommen, geh mal hinterher, die stecken uns sonst noch den Schuppen an.
[5] Er hat sich gerade eine Zigarette angesteckt.
[5] „Es hat eine Zeit gedauert, bis der Wirt ihnen das Gas anſteckte.
[5] „Frau Fiedler hatte das Oefchen angesteckt, das zum Heizen und Kochen diente.“
[5] „Das kann ich nicht behaupten, sagt Rogalla, ich habe ihn nicht mehr gesehen, aber es ist doch Unsinn, zu denken, die beiden alten Leutchen könnten sich noch in der Nacht aufgemacht haben, nur um eine Kabise anzustecken.
[5] „So steckte ich denn die große Petroleumlampe über dem runden Tisch an und stieß auch gleich noch ein Bullauge auf: es roch ziemlich muffig in diesem alten Kasten.“
[5] „Wenn sie den Schaltknopf ihrer Ölheizung bediente, nannte sie das … ich stecke die Heizung an.''“
[5] „Judith hatte sich auf einen Stuhl gesetzt, einen Joint angesteckt und festgestellt, dass die Geburtstage auch schon mal glücklicher waren.“
[5] „Ida hielt ihren Koffer umklammert und beeilte sich, die Gangway hinunterzukommen, um sich eine weitere Zigarette anzustecken, die erste auf festem Boden nach dreizehn Tagen Überfahrt.“
[6] Lass dich von seiner Grippe nicht anstecken!
[6] „Er hätte doch mehr davon, wenn ich richtig krank geworden wäre und andere angesteckt hätte.
[6] „Sie sind mit einem Erreger angesteckt, der tausendmal virulenter ist als das HIV-Virus.“
[6] „Schätzungsweise 1,3 Millionen Menschen in Thailand sind derzeit HIV-positiv. Die Hälfte der Neuinfizierten sind Frauen, die von ihren Lebens- oder Ehepartnern angesteckt wurden.
[6] [Coronaepidemie 2020:] „Die aktuelle massive Kontaktbeschränkung führt dazu, dass sich deutlich weniger Leute anstecken.
[7] „Die Deutschen haben Angst vor Toten, sie haben Angst, sie könnten sich an einer Krankheit anstecken, deswegen machen sie den Deckel immer schnell wieder zu.“
[7] „Von Mensch zu Mensch verbreitet sich das Ebolavirus durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel, Schweiß oder Sperma von Erkrankten. Die meisten Erkrankten haben sich beim aktuellen Ausbruch in Westafrika bei anderen Menschen angesteckt.
[8] „Ich ließ ihn blödeln, ohne zu antworten. […] Ich ließ mich nicht anstecken und arbeitete.“
[8] „Rosa rennt die wenigen Meter zurück in Jakobs Haus, von der Panik angesteckt und ohne zu überlegen, sie lehnt sich an die Wand und hält die Augen geschlossen.“
[8] „Die Bereitschaftspolizei wurde immer mehr vom Anarchismus angesteckt.
Redewendungen:
[1] veraltet: einen Reif anstecken
Übersetzungen:


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