schräg
Adjektiv:

Worttrennung:
schräg, Komparativ: schrä·ger, Superlativ: am schrägs·ten
Aussprache:
IPA standardsprachlich (gemeindeutsch): [ʃʁɛːk]
IPA standardsprachlich in Nord- und Ostdeutschland und in Ostösterreich allgemein, in Hessen, im Rhein-Main-Gebiet, in Süddeutschland und Westösterreich teilweise auch: [ʃʁeːk]
Bedeutungen:
[1] von einer (gedachten) geraden, horizontalen oder vertikalen Linie abweichend (und einen spitzen, stumpfen aber niemals rechten Winkel bildend)
[2] übertragen umgangssprachlich: prüfend; missbilligend
[3] übertragen umgangssprachlich, oft abwertend: sich von der Norm, vom Üblichen, Erwartbaren unterscheidend (und deshalb nicht unbedingt zu akzeptieren)
[4] übertragen umgangssprachlich, oft abwertend: sich an der Grenze des Erlaubten bewegend beziehungsweise diese (ein Stück weit) überschreitend
[5] Namibia, in Verbindung mit Adverbialbestimmungen der Zeit: mit geringem zeitlichen Abstand von etwas
Herkunft:
[1] Das im germanischen Sprachbereich nur im Deutschen gebräuchliche Adjektiv ist erst seit dem 16. Jahrhundert bezeugt (vergleiche jedoch älteres schrägen, Schräge und die althochdeutschen Zusammensetzungen scregibant ‚Haarband‘ [9./10. Jahrhundert] und scregihōrī ‚Schrägheit‘ [um 1000]). Es stellt sich zu mittelhochdeutschem schrage mgeneigt oder kreuzweise eingefügte Pfähle, kreuzweise stehende Holzfüße als Untergestell eines Tisches‘, schregelnkreuzweise verbinden‘, mittelniederdeutsches schrāge / schrāgen m ‚Seitenstütze, Strebepfahl, Gestell aus kreuzweise gestellten Beinen, Bock, Dreibein‘, neuhochdeutschem Schragen m ‚schräg oder kreuzweise stehendes Holzwerk, Gestell mit kreuzweise gestellten Füßen‘, mittelniederländischem scrāghe, niederländischem schraag ‚Untersatz‘ und ist mit diesen an der (erschlossenen) indoeuropäischen Form *(s)krek- anzuschließen, eine Gutturalerweiterung der verbreiteten, vielfach weitergebildeten und erweiterten (erschlossenen) indoeuropäischen Wurzel *(s)ker- ‚(sich) drehen, krümmen; biegen; kreisend bewegen‘, zu der auch (andere Erweiterungen voraussetzend) Harfe, Reis#Substantiv, n|Reis n, Ring, Rispe, Runge, Rücken (eigentlich ‚der Gekrümmte‘), Schrank, Schranke, schränken, schreiten (eigentlich ‚sich bogenförmig bewegen‘) gehören; es bedeutet demnach eigentlich ‚gekrümmt, gebogen‘. Aus anderen indoeuropäischen Sprachen gehören zu dieser Wurzel zum Beispiel lateinisches curvuskrumm‘ (siehe Kurve) und lateinisches circusKreis‘ (siehe Zirkus).
[4] Die ab 1910 bezeugte umgangssprachliche Bedeutungsübertragung beruht auf der Vorstellung von der schiefen Bahn als Sinnbild des Verkommens, des sittlichen Abgleitens; auch die Vorstellung des unaufrichtigen, verstohlenen Blicks mag eingewirkt haben.
Synonyme:
[2] prüfend; missbilligend
[5] kurz (danach, nach, vor, zuvor)
Gegenwörter:
[1] aufgerichtet, aufrecht, eben, flach, gerade, gestreckt, horizontal, kerzengerade, lotrecht, senkrecht, vertikal, waagerecht
[1] besonders fachsprachlich: plan#Deutsch|plan
[1] fachsprachlich (Bergmannssprache): seiger
[2] arglos, blauäugig, blind, blindgläubig, einfältig, gutgläubig, gutmütig, harmlos, herzensgut, leichtgläubig, sorglos, treuherzig, unbefangen, unbesehen, ungeprüft, unhinterfragt, unkritisch, unschuldig, vertrauensselig
[2] bildungssprachlich: akritisch, unreflektiert
[2] zumeist abwertend: kritiklos, naiv
[2] umgangssprachlich abwertend: treudoof
[2] umgangssprachlich veraltend: treu
[3] alltäglich, bekannt, bewährt, durchschnittlich, eingebürgert, eingefahren, gängig, gang und gäbe, (allgemein) gebräuchlich, geläufig, gewöhnlich, gewohnt, herkömmlich, landläufig, normal, ordinär, regulär, traditionell, üblich, usuell, vertraut, (weit) verbreitet, wohl bekannt
[3] bessonders fachsprachlich (Technik), sondersprachlich (Militär): konventionell
[4] anständig, aufrecht, ehrenhaft, ehrenwert, einwandfrei, integer, korrekt, makellos, ordentlich, redlich, sauber, seriös, solide, unbescholten, unbestechlich, untadelig, vertrauenswürdig
[4] schweizerisch: senkrecht
[4] gehoben: ehrbar
[4] bildungssprachlich: loyal
[4] veraltend: rechtschaffen
[4] bewilligt, erlaubt, genehmigt, gesetzmäßig, gestattet, legal, rechtens, rechtmäßig, zugelassen, zulässig
[4] gehoben: statthaft
[4] bildungssprachlich: legitim
[5] lang/lange, weit (danach, nach, vor, zuvor)
Beispiele:
[1] „Noch beſchatteten die letzten Zweige der traulich herüberreichenden Wachholder- und Nußbüſche ihr Haupt; aber dort aus dem Raſenſpiegel hob ſich fremd der gewaltige Schaft der indiſchen Banane, und der ſchräg hereinfallende Mondſchein ſtreckte den Schatten der impoſanten Blattform rieſenhaft über die Grasfläche hin.“
[1] „Und fünf Häuſer weiter, ihm ſchräg gegenüber, ſah Frau Weſe, den Fuchspelz über ihrem Nachthemd, nach ihrem Manne aus, der heute ungewöhnlich lange zögerte.“
[1] „An den abendlichen Fenstern gleitet sie vorüber, mit Dörfern, in denen Strohdächer wie Mützen tief über gekalkte Fachwerkhäuser gezogen sind, mit Kornfeldern, die wie Perlmutter im schrägen Licht schimmern, mit Obstgärten und Scheunen und alten Linden.“
[1] „Dann, plötzlich, geht Reinhart schräg über die weite offene Wiese hinunter; einmal kommt er an einen Hag, bleibt stehen, ohne zurückzuschauen, die Hände in den Manteltaschen.“
[1] „Die Sonne stand schräger und machte den Anblick freundlich.“
[1] „Erst drüben auf der anderen Seite sind die Steilwände etwas schräger, so daß man sich in vielen Kurven hinunterwinden kann.“
[1] „Die äußeren Kanten eines Aufschlags, der den Kragen zu beiden Seiten fortsetzt, laufen zur Mitte des Kleidungsstückes schräg zu und enden oberhalb des ersten Knopfes.“
[1] „Beim nächsten Röntgenisieren zeigt sich, die Löffelstiele liegen schräg zum Magenausgang.“
[1] „Er riß Halm am Arm, das wirkte sich auf das Lenkrad aus, sie kurvten jäh zur Seite, Halm bremste noch, sie standen steil, schräg, schief.“
[1] „Von der Nasenspitze an ein zurückfliehendes Gesicht, zwei schräg nach hinten laufende Augenpartien. Aber über der schrägen Stirn ein ruhiges, fast gefroren wirkendes Gewell rotblonder Haare.“
[1] „Und schräg vis-à-vis befand sich das Gebäude mit der Glaserwerkstätte, einem Maurerbetrieb und einer Tischlerei.“
[1] „Sabina sitzt schräg hinter mir in der Klasse.“
[1] „Er eilte die Treppe hinunter, den leichten schwarzen Hut aus der Londoner Bond Street ein wenig schräg in die Stirn gezogen.“
[1] „Sie hielt ihren Kopf schräg gesenkt und betrachtete ihn so von unterwärts mit Neugier und Erwartung.“
[1] „Zimmermann hielt die Tasse so schräg, daß der Tee in die Untertasse überlief.“
[2] „Marie sah mich schräg an mit ihrem listigen Lächeln.“
[2] „Auf ihr Klopfen erschien wieder die mißtrauische Frau, die mit schrägem Blick ärgerlich auf die Fremde sah.“
[2] Guck mich nicht so schräg an, ich geh ja gleich!
[3] „Kriegsmaler sind es, die wir brauchen! Lankes: das is nich drinnen bei mir, Herr Hauptmann. Ich mal für heutige Begriffe zu schräge - doch wenn Herr Hauptmann ne Zigarette für Obergefreiten haben?“
[3] „Joschka Fischer fuhr Taxi, kutschierte als ‚lonesome hero der Großstadt‘ nachts ‚fette Bankdirektoren und andere schräge Gestalten‘ ins Frankfurter Bahnhofsviertel, das hat ihm ‚ungeheuer Spaß gemacht‘.“
[3] „In dem kakophonen Getöse promeniert Tokios Jeunesse dorée, stundenlang, bei jedem Wetter, das Outfit so antikonformistisch wie möglich: Schrill ist gefragt, schräge Typen gelten als cool.“
[3] „Im Prinzip ist die schräge Optik der Show auch die einzige Überraschung für die Fans.“
[3] „Doch die Band nahm sich zu viele Freiheiten für improvisatorische Abflüge und offenbarte dabei eine geradezu kindlich anmutende Freude an schrägen Klängen.“
[3] „Der Mix aus waghalsigen Stunts, schrägem Humor und funkiger Musik (gespielt von einer Live-Band) begeistert das Publikum auf der ganzen Welt.“
[3] „Dennoch sprüht es nur so vor schrägen Einfällen.“
[3] „Smoothies, die in immer schrägeren Fruchtmischungen in die Regale kommen, bestehen im Grunde aus pürierten, frischen Früchten, die mit einem Basissaft aus gepressten Äpfeln und Orangen und zwecks der namensimmanenten Cremigkeit (smooth engl.=sanft, weich) mit pürierten Bananen vermischt werden.“
[3] „Und weil er die zum Teil sehr eigenwilligen, ja schrägen Gesten der Musik von Berlioz in aller Deutlichkeit ausformulieren liess, machte er auch gut hundertsiebzig Jahre nach der Uraufführung die ungewöhnliche visionäre Kraft der Partitur hörbar.“
[3] „Dieser Ausdruckstanz ist mir nun etwas zu schräg.
[3] „Im Whirlpool, am anderen Ende der Welt, kommt man auf die schrägsten Ideen.“
[3] „Hoffmann habe schon erlebt, dass Leute über eine Internetplattform als Gastgeber vermittelt worden seien, denen der Musiker aus New York für ihre wohl situierte Villa dann doch ein bisschen zu schräg war.“
[3] „Heranwachsende machen oft schräge Sachen.“
[3] „Diese Argumentation ist schräg.
[3] Sie trägt immer so schräge Kleider – und keiner weiß, ob sie vom Designer oder aus der Altkleidersammlung stammen.
[3] Du bist aber ganz schön schräg!
[4] „Während am Samstag in der Prager Straße und auf dem Altmarkt Glückssuchende um jugoslawische Hütchenspieler und schräge Händler aus dem Westen drängten, verloren sich vielleicht 2000 Leute im Heinz-Steyer-Stadion.“
[5] „Und wenn das Tagesgestirn schon schräg nach Viere hinter den ersten Baumkronen oder einem Bau eintaucht, der zu hoch ist, kommt die Kälte ganz von selbst wieder aus den Winkeln hervor.“
[5] „Man kann den Monaten hier schräg vor Jahresende sowahr nicht denselben Jammer zuschreiben.“
[5] „Frühere Jahrgänge der Schülergenerationen von Tsoaxaobmund konnten nie die Begeisterung verstehen, mit der so manch Inländer um diese Jahreszeit seine sieben Sachen gepackt hat, um so schräg vor Weihnachten in die Nebelzone am Atlantik zu fahren.“
[5] „Die Autowaschanlage am Omurambaweg im Stadtteil Eros von Ovenduka boomt, obwohl die Straßen der Hauptstadt so schräg nach Neujahr fast leer sind.“
[5] „Und das Komitee hat morgens im Nationalfunk so schräg vor Sieben nochall wüst argumentiert, was denn eigentlich einen namibischen Helden ausmacht.“
Redewendungen:
  • umgangssprachlich:
[1] jemandem schräg von der Seite kommen
[1] schräge Kanne
[1] von links nach schräg
[1] von links nach schräg fahren
[1, 3] jemanden schräg anquatschen
[1, 3] schräg aus der Wäsche gucken
[1, 3] schräg denken
[1, 3] schräg liegen
[1, 3] schräg werden
[1, 3] schräge Dame
[1, 3] schräges Gewerbe
[3] jemandem auf die schräge Tour kommen
[3] schräge Biene
[3] schräge Figur
[3] schräge Fürstin
[3] schräge Glatze
[3] schräge Musik
[3] schräge Type
[3] schräger Dampfer
[3] schräger Heuler
[3] schräger Macker
[3] schräger Otto
[3] schräger Tanz
[3] schräger Zahn
[3] schräges Auto
[3] schräges Mädchen
[3] schräges Parkett
[3] schräges Spiel
[3, 4] schräge Sache
[3, 4] schräger Fürst
[3, 4] schräger Vogel
[4] ein schräges Leben führen
[4] schräge Tour
[4] schräger Gedanke
Übersetzungen:


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